* 28 *

Die Reste des Mittwinterfestmahls aus gedünstetem Kohl, geschmorten Aalköpfen und Würzzwiebeln standen verlassen auf dem Tisch in der Hüterhütte, als Tante Zelda versuchte, das Feuer wieder in Gang zu bringen, das einfach nicht richtig brennen wollte. Die Fensterscheiben waren innen vereist, und die Temperatur in der Hütte sank weiter. Berta überwand ihren Stolz und kuschelte sich an Maxie, um sich zu wärmen. Der Rest saß in Decken gehüllt da und starrte in das mickrige Feuer.
»Warum lassen Sie es mich nicht mal versuchen, Zelda?«, fragte Marcia gereizt. »Ich sehe nicht ein, warum wir hier herumsitzen und frieren, wo ich doch nur so zu machen brauche.« Sie schnippte mit den Fingern, und im Kamin loderten Flammen empor.
»Sie wissen doch, dass ich es nicht mag, wenn man mit den Elementen herumspielt«, sagte Tante Zelda streng. »Ihr Zauberer habt einfach keinen Respekt vor Mutter Natur.«
»Nicht, wenn Mutter Natur meine Füße in Eisblöcke verwandelt«, grummelte Marcia.
»Würden Sie vernünftige Stiefel tragen so wie ich«, entgegnete Tante Zelda, »statt in diesen lila Schlappen aus Schlangenhaut herumzulaufen, hätten Sie keine kalten Füße.«
Marcia hörte nicht hin. Sie saß da, wärmte sich die lila Schlangenfüße am prasselnden Feuer und nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass Tante Zelda keine Anstalten machte, das Feuer wieder in den natürlichen Zustand zu versetzen, in dem es nur gezischt und gequalmt hatte.
Draußen heulte der Nordwind sein Klagelied. Das Schneetreiben vom Vormittag war noch dichter geworden und wuchs sich nun zu einem tosenden Schneesturm aus, der über die Marram-Marschen fegte und Schneewehen aufwarf. Im weiteren Verlauf der Nacht, als Marcias Feuer endlich die Kälte vertrieb, wurde das Heulen des Windes durch die Schneewehen gedämpft, die sich draußen auftürmten, und bald kehrte in der Hütte wieder eine wohlige Ruhe ein. Der Kamin brannte gleichmäßig, und einer nach dem anderen folgte Maxies Beispiel und schlief ein.
Die Kälte setzte ihre Reise fort, nachdem sie die Hütte bis zum Dach im Schnee begraben hatte. Sie überzog das Brackwasser der Marschen mit einer dünnen weißen Eisschicht, ließ die Sümpfe zufrieren und zwang die Tiere, sich tief im Morast zu verkriechen, wo der Frost ihnen nichts anhaben konnte. Sie überquerte den Fluss, verbreitete sich über das Land auf beiden Seiten und begrub Häuser, Kuhställe und hier und dort auch ein Schaf unter sich.
Gegen Mitternacht erreichte sie die Burg, wo alle notwendigen Vorkehrungen getroffen waren.
In den Wochen vor dem großen Kälteeinbruch hatten die Burgbewohner Lebensmittelvorräte angelegt. Sie hatten sich sogar in den Wald gewagt, um so viel Holz zu holen, wie sie tragen konnten, und viel Zeit damit zugebracht, Decken zu stricken und zu weben. Um diese Zeit des Jahres kamen gewöhnlich die Nordhändler und boten warme Wollkleidung, dicke Polarpelze und Pökelfisch feil, nicht zu vergessen die würzigen Speisen, die den Wendronhexen so schmeckten. Die Nordhändler hatten ein untrügliches Gespür dafür, wann die große Kälte kam. Sie trafen etwa einen Monat früher ein und reisten, kurz bevor sie einsetzte, wieder ab. Die fünf Kaufleute, die in der Brandnacht Sally Mullins Cafe besucht hatten, waren als Letzte abgereist, daher war niemand in der Burg über den Einbruch der großen Kälte überrascht. Ja, man fand sogar allgemein, dass sie sich diesmal etwas verspätet habe, obwohl der letzte Nordhändler aufgrund unvorhergesehener Umstände etwas früher abgereist war, als man erwartet hatte.
Silas hatte wie immer vergessen, dass die große Kälte vor der Tür stand, und wurde im Loch in der Mauer eingeschlossen. Eine riesige Schneewehe versperrte den Eingang. Da er nicht hinauskonnte, machte er es sich gemütlich und beschloss, das Beste aus der Situation zu machen. Unterdessen versuchten Alther und ein paar von den alten Geistern, etwas über Simons Verbleib herauszufinden.
Die schwarze Ratte von der Rattenzentrale, die auf Stanleys Rückkehr wartete, wurde oben im Wachturm am Osttor eingeschlossen. Das Regenrohr war mit Wasser voll gelaufen und dann innerhalb kurzer Zeit zugefroren. Damit war der Ausgang blockiert. Die Kollegen vom Kundenschalter im Erdgeschoss überließen die schwarze Ratte ihrem Schicksal und gingen nach Hause.
Auch der Oberste Wächter wartete auf Stanleys Rückkehr. Er erhoffte sich von ihm nicht nur Auskünfte über die genaue Lage der Hütte, sondern er war auch auf das Ergebnis der Botschaft gespannt, die Stanley überbringen sollte. Doch nichts geschah. Seit die Ratte fort war, wachte am Palasttor ein Zug schwer bewaffneter Gardewächter. Mit ihren kalten Füßen stampfend und in den Schneesturm starrend, warteten die Soldaten darauf, dass die Außergewöhnliche Zauberin erschien. Doch sie kam nicht zurück.
Die große Kälte setzte ein. Der Oberste Wächter, der sich vor DomDaniel stundenlang mit seinem genialen Einfall gebrüstet hatte, der Botenratte den Vertrauensstatus abzuerkennen und Marcia eine gefälschte Botschaft zu schicken, ging seinem Herrn nun vorsichtshalber aus dem Weg. Wann immer möglich, hielt er sich in der Damentoilette auf. Der Oberste Wächter war nicht abergläubisch, aber er war auch nicht dumm, und so war ihm aufgefallen, dass die Pläne, die er in der Damentoilette durchgesprochen hatte, in aller Regel klappten, selbst wenn er keine Ahnung hatte, warum. Außerdem genoss er die wohlige Wärme des kleinen Ofens. Doch am besten gefiel ihm, dass er sich hier verstecken konnte. Der Oberste Wächter versteckte sich gern. Schon als Junge hatte er, hinter einer Ecke verborgen, die Gespräche anderer Leute belauscht. Dabei erfuhr man oft Dinge, die einem Macht über andere gaben, und er hatte sich nie gescheut, daraus einen Vorteil zu ziehen. Diese Eigenschaft hatte ihm in seiner Laufbahn als Gardewächter gute Dienste geleistet und entscheidend zu seiner Beförderung zum Obersten Wächter beigetragen.
So verkroch sich der Oberste Wächter also während der großen Kälte in der Toilette, heizte im Ofen ein, lauerte schadenfroh hinter der harmlos aussehenden Tür mit den verblassten goldenen Lettern und belauschte die Gespräche der Leute, die draußen vorbeigingen. Mit Vergnügen sah er, wie das Blut aus ihren Gesichtern wich, wenn er die Tür aufriss und ihnen die beleidigenden Äußerungen vorhielt, die sie eben über ihn getan hatten. Noch mehr Vergnügen bereitete es ihm, die Wache zu rufen und sie umgehend in den Kerker werfen zu lassen, besonders wenn sie um Gnade flehten. Er liebte es, wenn sie um Gnade flehten. Bis jetzt hatte er sechsundzwanzig Menschen wegen Beleidigung seiner Person verhaften und einkerkern lassen, und nicht einmal war es ihm in den Sinn gekommen, sich zu fragen, warum er noch nie jemanden etwas Nettes über ihn hatte sagen hören.
Doch sein Hauptinteresse galt Simon Heap. Simon war von der Kapelle direkt in die Damentoilette gebracht und dort an ein Rohr gekettet worden. Als Jennas Adoptivbruder, so sagte sich der Oberste Wächter, musste er wissen, wohin sie geflohen war, und er freute sich darauf, Simon Heap dieses Geheimnis zu entlocken.
Als die große Kälte einsetzte und weder die Botenratte noch Marcia in die Burg zurückkehrten, schmachtete Simon in der Damentoilette. Fortwährend wurde er verhört und nach Jennas Verbleib gefragt. Doch er war zu verängstigt, um zu reden. Der Oberste Wächter war schlau und machte sich daran, Simons Vertrauen zu gewinnen. In jeder freien Minute kam er in die Toilette spaziert und jammerte ihm vor, wie langweilig ihm sei. Simon hörte ihm höflich zu, traute sich anfangs jedoch nicht, selbst etwas zu sagen. Erst nach einiger Zeit wagte er die eine oder andere Bemerkung. Der Oberste Wächter schien sich darüber zu freuen, dass er eine Antwort von ihm bekam, und brachte ihm von nun an immer etwas zu essen und zu trinken mit. Simon wurde etwas mutiger, und bald vertraute er ihm an, dass er der nächste Außergewöhnliche Zauberer werden wolle und dass er über die Art und Weise, wie Marcia sich davongemacht habe, enttäuscht sei. So etwas hätte er jedenfalls nicht getan, sagte er dem Obersten Wächter.
Der Oberste Wächter vernahm es mit Wohlwollen. Endlich mal ein Heap, der einigermaßen vernünftig war. Und als er Simon eine Lehre beim Außergewöhnlichen Zauberer in Aussicht stellte – »denn die Leistungen des derzeitigen Lehrlings, in den wir hohe Erwartungen setzten, lassen doch sehr zu wünschen übrig, aber das bleibt selbstverständlich unter uns, mein junger Freund« –, begann Simon, wieder auf eine bessere Zukunft zu hoffen. Eine Zukunft, in der man ihn mit Respekt behandelte und nicht »als nichtsnutzigen Heap« beschimpfte und ihm Gelegenheit gab, sein Talent als Zauberer zu entfalten. Und eines späten Abends, als der Oberste Wächter sich wieder einmal freundschaftlich zu ihm gesetzt und ihm etwas Heißes zu trinken angeboten hatte, erzählte er schließlich, was dieser wissen wollte – dass Marcia und Jenna in Tante Zeldas Hütte in den Marram-Marschen geflohen waren.
»Und wo genau ist das, mein Junge?«, fragte der Oberste Wächter mit einem verkniffenen Lächeln.
Simon musste gestehen, dass er es nicht genau wusste.
Zornentbrannt stürmte der Oberste Wächter hinaus und eilte in die Kaserne zum Jäger, der ihm schweigend zuhörte, als er über die Dummheit der Heaps im Allgemeinen und Simon Heaps im Besonderen herzog.
»Ich bitte Sie, Gerald –« (denn so hieß der Jäger. Er hielt den Namen gern geheim, aber zu seinem Leidwesen benutzte ihn der Oberste Wächter bei jeder sich bietenden Gelegenheit),»– ich bitte Sie, Gerald«, rief der Oberste Wächter empört, fuchtelte theatralisch mit den Armen und stapfte in der dürftig eingerichteten Stube des Jägers auf und ab, »wie kann jemand nicht genau wissen, wo seine Tante wohnt? Wie will er sie denn besuchen, Gerald, wenn er nicht genau weiß, wo sie wohnt?«
Als pflichtbewusster Neffe besuchte der Oberste Wächter seine zahlreichen Tanten regelmäßig, obwohl es den meisten von ihnen lieber gewesen wäre, er hätte nicht genau gewusst, wo sie wohnten.
Doch die Anhaltspunkte, die Simon geliefert hatte, genügten dem Jäger. Kaum war der Oberste Wächter fort, nahm er sich seine detaillierten Karten der Marram-Marschen vor, und schon nach kurzer Zeit hatte er mit großer Wahrscheinlichkeit bestimmt, wo sich Tante Zeldas Hütte befand. Die Jagd konnte weitergehen.
Und so begab sich der Jäger mit einer gewissen Beklommenheit zu DomDaniel.
DomDaniel weilte oben im Zaubererturm. Er hatte die Zeit der großen Kälte dazu genutzt, die alten Bücher über die dunklen Künste hervorzuholen, die Alther in einem Schrank eingeschlossen hatte, und zwei kleine und extrem hässliche Magogs als Bibliotheksassistenten zu sich zu holen. Auf die Magogs war er nach seinem Sprung vom Turm gestoßen. Normalerweise lebten sie tief unter der Erde und sahen deshalb aus wie große blinde Würmer mit langen, knochenlosen Armen. Sie hatten keine Beine und krochen nach Raupenart auf einer Schleimspur über den Boden, doch wenn sie wollten, konnten sie überraschend schnell sein. Sie hatten eine gelblich weiße Farbe, keinerlei Haare, und auf den ersten Blick schienen sie auch keine Augen zu haben. Aber sie hatten eines. Ein einzelnes kleines Auge. Es war ebenfalls gelblich weiß und saß direkt über zwei glänzenden Löchern, die sich dort befanden, wo man normalerweise Nase und Mundöffnung vermutete. Der Schleim, den sie absonderten, war unangenehm klebrig und hatte einen widerlichen Geruch, den DomDaniel selbst freilich ganz angenehm fand.
Die beiden Magogs hätten wahrscheinlich einen Meter zwanzig gemessen, wenn sie sich zu ihrer vollen Größe aufgerichtet hätten, doch das hatten sie nie versucht. Es gab bessere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, wie zum Beispiel mit den Fingernägeln an einer Schiefertafel zu kratzen oder einen Eimer voll Froschlaich zu verspeisen. Niemand berührte einen Magog, höchstens aus Versehen. Ihr Schleim war so eklig, dass sich einem bei der bloßen Erinnerung an den Geruch der Magen umdrehte. Magogs schlüpften unter der Erde aus Eiern, die im Körper ahnungsloser, Winterschlaf haltender Tiere wie Igel oder Haselmaus abgelegt worden waren. Schildkröten mieden sie, da die jungen Magogs Mühe hatten, ihre Panzer zu durchdringen. Sowie die ersten Strahlen der Frühlingssonne die Erde erwärmten, krochen die Larven aus dem Tier, fraßen auf, was noch von ihm übrig war, und bohrten sich tiefer in den Boden, bis sie auf eine Magogkammer stießen. DomDaniel hatte hunderte solcher Kammern rund um sein Versteck in den Ödlanden und so immer genug Magogs auf Lager. Sie waren ausgezeichnete Wächter. Von ihrem Biss bekamen die meisten Menschen eine Blutvergiftung und starben innerhalb weniger Stunden. Durch Magogkrallen beigebrachte Kratzer entzündeten sich so schlimm, dass sie nie ganz verheilten. Doch abschreckender als alles andere war ihr Aussehen. Ihr knolliger, gelblich weißer, scheinbar augenloser Kopf mit dem kleinen Mund, der ständig auf- und zuklappte und mehrere Reihen gelber spitzer Zähne aufwies, bot einen grausigen Anblick und hielt die meisten Leute auf Distanz.
Die Magogs waren kurz vor Einbruch der großen Kälte eingetroffen. Der Lehrling war zu Tode erschrocken, was DomDaniel erheitert und ihm obendrein einen Vorwand geliefert hatte, den bibbernden Jungen vor die Tür zu schicken, damit er endlich seine Dreizehnerreihe lernte.
Auch den Jäger brachten die Magogs etwas aus der Fassung. Als er nämlich die Wendeltreppe erklommen hatte und auf dem Treppenabsatz am Lehrling vorbeieilte, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, rutschte er auf der Schleimspur aus, die in DomDaniels Wohnung führte. Er fing sich zwar noch rechtzeitig ab, hörte aber, wie der Lehrling hinter ihm kicherte.
Wenig später hatte der Lehrling erneut einen Grund zum Kichern, denn DomDaniel schrie zur Abwechslung mal einen anderen an als immer nur ihn. Entzückt lauschte er der wutentbrannten Stimme des Meisters, die überdeutlich durch die dicke lila Tür drang.
»Nein, nein und nochmals nein!«, brüllte DomDaniel. »Sie müssen mich für völlig verrückt halten, wenn Sie glauben, dass ich Sie noch einmal allein auf die Jagd lasse. Sie sind ein närrischer Stümper, und wenn ich einen anderen damit beauftragen könnte, würde ich es tun, das können Sie mir glauben. Sie warten gefälligst, bis ich Ihnen sage, wann Sie aufbrechen sollen. Und dann unterstehen Sie meiner Aufsicht. Unterbrechen Sie mich nicht! Nein! Ich will nichts hören! Und jetzt raus mit Ihnen – oder soll einer meiner Magogs nachhelfen?«
Der Lehrling sah, wie die lila Tür aufflog und der Jäger herausstürzte, über die Schleimspur schlitterte und so schnell er konnte die Treppe hinunterpolterte. Danach widmete sich der Lehrling wieder seiner Dreizehnerreihe. Er kam immerhin bis zu dreizehn mal sieben. So weit wie noch nie.
Alther, der gerade fleißig damit beschäftigt gewesen war, DomDaniels Socken in Unordnung zu bringen, hatte alles mit angehört. Er blies das Kaminfeuer aus, folgte dem Jäger aus dem Turm und löste just in dem Moment eine gewaltige Schneelawine aus, als der Jäger unter dem Großen Bogen durchging. Es dauerte Stunden, bis sich jemand dazu herabließ, den Jäger auszubuddeln, doch dies war Alther nur ein schwacher Trost. Die Dinge standen nicht zum Besten.
Tief im kalten Wald stellten die Wendronhexen ihre Fallen auf. Vielleicht gelang es ihnen, ein oder zwei unvorsichtige Wolverinen zu fangen, die ihnen über die bevorstehende magere Zeit hinweghelfen konnten. Anschließend zogen sie sich in ihre Gemeinschaftshöhle im Schieferbruch zurück, wo sie Tag und Nacht ein Feuer in Gang hielten und sich, in ihre Pelze gehüllt, gegenseitig Geschichten erzählten.
Die Bewohner des Baumhauses umlagerten den Holzofen in der großen Hütte und aßen sich durch Galens Vorrat an Nüssen und Beeren. Sally Mullin kuschelte sich in einen Haufen Wolverinenfelle, trauerte still um ihr Cafe und knabberte zum Trost einen Berg Haselnüsse. Sarah und Galen hielten an den langen kalten Tagen den Ofen in Gang und tauschten sich über Kräuter und Heiltränke aus.
Die vier jungen Heaps bauten sich in einiger Entfernung vom Baumhaus am Boden ein Schneelager und führten ein freies und ungebundenes Leben. Sie fingen Eichhörnchen und brieten sie wie alle anderen Tiere, die sie erbeuteten. Galen missbilligte ihr Treiben, sagte aber kein Wort. So waren sie wenigstens beschäftigt, blieben dem Baumhaus fern und verschonten die Wintervorräte, die Sally Mullin in rasendem Tempo aufzehrte. Sarah besuchte die Jungen jeden Tag, und wenn es sie anfangs auch beunruhigte, dass sie allein im Wald lebten, so war sie doch beeindruckt von den Iglus, die sie bauten. Außerdem hatte sie bemerkt, dass einige jüngere Wendronhexen regelmäßig bei ihnen vorbeischauten und ihnen Kleinigkeiten zu essen und zu trinken brachten. Bald war es ganz normal, dass Sarah bei den Jungen wenigstens zwei oder drei junge Hexen antraf, die ihnen beim Kochen halfen oder lachend am Lagerfeuer saßen und Witze erzählten. Erstaunlich fand Sarah nur, wie sehr sich die Jungen veränderten, seit sie sich selbst versorgen mussten. Alle wirkten auf einmal so erwachsen, selbst Jo-Jo, der jüngste, der ja erst dreizehn war. Nach einiger Zeit kam sich Sarah in ihrem Lager wie ein Störenfried vor. Dennoch setzte sie ihre täglichen Besuche fort, teils um sie im Auge zu behalten, teils weil sie an Eichhörnchenbraten Geschmack gefunden hatte.